Sonntag, 31. Dezember 2017

Rückblick Penrhyn

Das Penrhyn Atoll in den nördlichen Cook Inseln war schon lange eines
unserer Traumziele. Wir hatten viel Gutes gehört von befreundeten
Seglern und so erwarteten wir besonders freundliche Einwohner in einem
ursprünglichen Atoll mit viel Fisch und schöner Unterwasserwelt. Weil es
fernab der üblichen Routen liegt, waren wir hoch erfreut, dass sich ganz
zum Ende unserer Zeit in der Südsee noch die Chance ergab dort Halt zu
machen. Penrhyn sollte der krönende Abschluss werden und unser letztes
Südsee-Atoll, bevor wir den Äquator wieder nach Norden überqueren.

Wie immer wenn die Erwartungen hoch sind, ist die Chance auf eine
Enttäuschung groß. Diese Binsenweisheit schien sich auch diesmal zu
bewahrheiten. Der erste Eindruck am Ankerplatz der Hauptstadt Omoka, wo
man einklariert, ist ernüchternd. Trübes Wasser, karges Land und stark
kabelige See, dank fünf Meilen Fetch innerhalb der Lagune in Richtung
des Passatwindes.

Allein schon den Außenborder am Dinghy zu montieren und einigermaßen
trocken an Land zu kommen ist bei den steilen Wellen eine kleine
Herausforderung. Alles nicht wirklich ein Problem, wenn man ausgeruht
und gesund ist. Aber Michaela war die letzten vier Tage der Überfahrt
mit einer Grippe in der Koje gelegen und so zehrt jede noch so kleine
Herausforderung an unserer Substanz.

An Land tragen die Einheimischen auch nicht gerade zu unserer
Entspannung bei. Sie sind zwar durchaus freundlich, aber praktisch jeder
mit dem man Kontakt hat, versucht irgendetwas für sich herauszuschlagen.
Sie gehen dabei sehr offensiv und wenig höflich vor.

Der örtliche Polizist, der auch gleichzeitig Zoll- und
Einwanderungsbeamter ist, verlangt nicht nur eine horrende Summe für die
Zollformalitäten und Ankergebühren - er fordert auch der Erste zu sein,
der die gespendeten Lese- und Sonnenbrillen (die wir im Rahmen des
eyeglassassist.org Programms auf der Insel verteilen wollen) zu Gesicht
bekommt, damit er sich die besten Stücke sichern kann.

Auch der örtliche Bürgermeister ist ein Meisterschnorrer. Er fährt uns
zwar netterweise mit dem Lastwagen der Regierungsbehörde zum
Krankenhaus, wo sich Michaela wegen ihres ungewöhnlichhartnäckigen
Hustens untersuchen lassen will, dafür steckt er aber gleich zwei
schicke Sonnenbrillen ein, sichert sich 30 große Bolzen und passende
Muttern von mir, die er angeblich unbedingt für die örtliche
Weihnachtszeremonie braucht, um Gestelle für die großen Trommeln zu
bauen. Außerdem soll ich seinen Laptop reparieren und ihm dabei helfen
seine Facebookseite zu gestalten und und ...

Bevor die Ansprüche überhand nehmen, liefern wir die Bolzen ab, packen
den kranken Laptop ein und ergreifen die Flucht auf die andere Seite des
Atolls, wo wir die dringend erhoffte Ruhe zu finden hoffen.

Die Durchfahrt durch das Atoll, für die es keine Seekarten gibt, ist
leichter als erwartet.Die Korallenriffe kommen steil aus tiefem Wasser,
zeichnen sich also deutlich hell ab und sind leicht zu umfahren. Auf der
anderen Seite, vor dem Örtchen Te Tautua, findet sich dann tatsächlich
der traumhaft türkise Ankerplatz, in klarem, ruhigem, gut geschütztem
drei Meter tiefem Wasser, den wir uns erhofft haben. Wir setzen den
Anker nicht weit entfernt von einem anderen Segler und schon beginnt
sich ein Lächeln auf unseren Gesichtern abzuzeichnen. Aber zu früh
gefreut! Wir sind noch nicht fertig mit dem Klarieren des Decks, als
eines der landestypischen Aluminiumboote heran kommt - an Bord ein
dicker Mann und vier Kinder.

Ich habe in dem Moment das Großsegel fast weggepackt. Da die
Einheimischen normalerweise respektvoll Abstand halten bis man sie
einlädt näher zu kommen, glaube ich noch ein paar SekundenZeit zu haben,
bevor ich mich den Besuchern widme - aber falsch gedacht. Respektvoll
Abstand halten gehört hier offenbar nicht zum guten Ton. Der dicke Mann
fährt sein fünf Meter Aluboot direkt längsseits und macht nicht die
geringsten Anstalten das Gefährt von unserem Lack abzuhalten. Bevor wir
ihm aufgeregt zu verstehen geben, dass er bitte aufpassen soll, haben
wir schon gewaltige Kratzer in der Seite.

Ich bin ziemlich sauer aber den dicken Mann scheint das in keinster
Weise zu beindrucken. Ohne jegliches "Hallo", ohne sich selbst oder
seine Kinderhorde vorzustellen, verlangt er an Bord kommen zu dürfen.
Als er von mir eine Abfuhr erhält, ist er sichtlich beleidigt und
Michaela, die zu diesem Zeitpunkt noch zu diplomatischer Höflichkeit
fähig ist, erklärt dem Mann, dass wir krank und müde sind und derzeit
keine Besucher empfangen können. Widerwillig zieht der Mann ab und fällt
stattdessen mit seiner Horde über die andere Yacht her.

Michaelas Befürchtung, dass es sich bei dem dicken Mann um den örtlichen
Pastor handelt, bestätigt sich am nächsten Tag, als unsere Nachbarn von
dem Segelboot Cheers uns besuchen. Das amerikanische Rentnerpaar ist
schon fast einen Monat hier und haben - laut deren Bericht - keine
besonders guten Erfahrungen mit den immer fordernden und nie zufriedenen
Einheimischen gemacht. Sie erzählen uns, dass der Pastor nun beleidigt
ist, weil er uns für den kommenden Sonntag in die Kirche und zum
anschließenden Mittagessen bei sich zu Hause einladen wollte als wir ihn
abgewiesen haben.

Wir befinden uns also in Schwierigkeiten. Pastoren sind in der Südsee
mächtige Männer. Die Bevölkerung ist generell auf allen Inseln sehr
gläubig und Kirche spielt eine bedeutende Rolle im täglichen Leben -
ganz besonders auf Penrhyn! Hier gehen die Menschen jeden Tag mindestens
einmal in die Kirche - am Sonntag sogar vier Mal! Wenn man dabei
erwischt wird, dass man etwas anders macht, während man eigentlich im
Gottesdienst sein sollte - also z.B. im Beiboot fahren, fischen,
schwimmen usw., bekommt man vom örtlichen Sheriff einen Verweis.
Tatsächlich ist es schon passiert, dass Segler gebeten wurden, das Atoll
zu verlassen, weil sie sich nicht ausreichend den örtliche
Gepflogenheiten angepasst haben.

Natürlich hätten wir uns nicht im Traum ausgemalt, dass uns das mal
drohen könnte. Wir halten uns an die lokalen Anstandsregeln, soweit sie
uns bekannt sind. Wir sind großzügig mit Gastgeschenken und helfen
natürlich unseren Gastgebern, wo wir können, wenn sie die Hilfe
benötigen. Aber wir sind nach westlichen Maßstäben erzogen und manchmal
fällt es schwer fremde Sitten und Gepflogenheiten richtig zu beurteilen.
Was wir als unhöflich empfinden, muss an diesem Ort nicht unbedingt
unhöflich sein.

Wie sich bei unserem ersten Spaziergang an Land herausstellt, scheint
man hier wesentlich ungehobelter miteinander umzugehen, als wir das im
Rest der Südsee gewohnt waren. Wir sind schon ein Weilchen unterwegs und
bisher hat man uns aus allen Hütten heraus neugierig beäugt, aber
niemand grüßt oder kommt auf uns zu. Auf dem Rückweg tönt es plötzlich
von der Seite. "Hey, ihr da! Kommt her!". Wir sind kurz desorientiert.
Wo kommt die Stimme her? "Hee! Kommt her jetzt! Hierher!" Wir glauben
die Hütte identifiziert zu haben, aus der die Stimme kommt, können aber
im gleißenden Sonnenlicht nicht ausmachen, wer oder was da im Schatten
des Blechdaches auf uns wartet. Vorsichtig nähern wir uns und erwarten,
in Anbetracht der aggressiv fordernden Stimme ein weiteres Problem.

Es stellt sich heraus, dass es um einen alten Mann namens Seitu handelt,
der gerade mit einer Machete große Austernschalen bearbeitet und dabei
durchaus nicht ungefährlich wirkt. Schräg hinter ihm sitzt seine Frau
und entschärft die Situation mit einem fast zahnlosem Lächeln. Es stellt
sich zu unserer Erleichterung heraus, dass der Mann offenbar nur mit uns
reden wollte und natürlich will er auch er wissen, ob wir vielleicht
Angelschnüre und Haken für ihn hätten. Zum Glück habe ich welche dabei,
da es sich dabei um die üblichen Mitbringsel handelt. In etwa so, wie
man in Deutschland Wein oder Blumen mitbringt, wenn man zum Essen
eingeladen ist.

Als wir uns gerade von Seitu und seiner Frau verabschieden, kommt Warren
dazu. Er hat sich noch nicht richtig vorgestellt, da will er schon
wissen, ob wir vielleicht etwas Leine hätten, für sein Boot. Nun ist
Alita schon viele Jahre in der Südsee unterwegs und wir haben bereits
alles Leinenmaterial verschenkt, was wir nicht selbst brauchen.
Natürlich ist da noch ein wenig Notreserve und ich bin bereit ein paar
Meter davon abzugeben, wenn es jemanden glücklich macht... aber nein,
mit Almosen gibt sich Warren nicht zufrieden. Er braucht 30 Meter
mindestens, besser mehr!

Nach dem selben Strickmuster geht es weiter. Das Ehepaar von Cheers
nimmt uns am Sonntag mit in die Kirche und anschließend will der Pastor
wissen, ob wir vielleicht Zwillingshaken zum Schleppangeln für ihn
hätten und stärkere Angelleine, als diejenige, die er schon von uns
hat... und ob wir vielleicht den Abfluss seines Waschbeckens reparieren
könnten.

Als wir die Leine und Haken am nächsten Tag abliefern, ist die
Enttäuschung groß. Wir haben nämlich keine PVC Abflussrohre an Bord und
nur Drillingshaken, die wortlos und ohne das geringste Dankeschön
gemeinsam mit der Leine in einen Fischereikasten wandern, der wesentlich
besser sortiert ist an mein bescheidenes Sortiment an Bord!

Während wir nun dasitzen und versuchen freundliche Konversation treiben
um unsere Gastgeber besser kennen zu lernen, sind diese nur daran
interessiert, was wir außerdem noch an Geschenken für sie hätten. Der
Pastor will wissen ob wir Werkzeug übrig hätten, Schrauben, Blindnieten,
Klebstoff? Wieder kommt Warren dazu und fragt, ob wir vielleicht einen
Anker für ihn hätten.

Wir versuchen den Menschen höflich klar zu machen, dass wir kein
fahrender Gemischtwarenladen sind und dass wir generell kaum etwas auf
unserem Boot mitschleppen, was wir nicht selbst auch wirklich brauchen.
Klar, das verstehen sie schon, sagt der Pastor und auch Warren nickt
lächelnd. "Aber Gummistiefel habt ihr für mich, oder?!"

Wäre Michaela nicht immer noch auf dem Weg der Genesung und die
Verteilung der Lesebrillen für die nächste Woche vereinbart gewesen,
dann hätten wir wahrscheinlich spätestens jetzt den Anker gelichtet und
das Weite gesucht. Zum Glück haben wir es nicht getan, denn je länger
wir blieben, desto mehr nette Menschen haben wir getroffen. Tatsächlich
sind die allermeisten Insulaner auf Penrhyn nett, gastfreundlich,
höflich und überhaupt nicht auf Geschenke fixiert.

Nur diejenigen, die uns gleich zu Anfang aktiv abgefangen haben und -
wie sich dann herausstellte - alle einer Familie angehören! Seitu ist
nämlich der Vater des Pastors und Warren der Ehemann seiner Tochter. Sie
sind die reichste und mächtigste Familie auf der Ostseite von Penrhyn -
und auch unter den Einheimischen als notorisch gierig und unhöflich
verschrien. Ihnen gehören die dicksten Boote, die größten Häuser und sie
können sich generell alles leisten, was sie haben wollen. Die Frau des
Pastors ist zum Schluss unseres Aufenthalts nach Neuseeland geflogen, um
das Kind einer Verwandten abzuholen, das auf Penrhyn aufwachsen soll.
Diese Reise kostet Hin- und Zurück locker mal dreitausend Euro aufwärts!

Überhaupt leidet niemand im ganzen Atoll Not. In den diversen Häfen
stehen dutzende große Aluboote mit nagelneuen Außenborden herum - fast
mehr als wir Einwohner gesehen haben. Die Australier haben im Rahmen
eines Hilfsprogramms in beiden Orten jeweils eine hochmoderne
Solarstromanlage installiert, die alle Haushalte mit spotbilligem Strom
versorgt. Die Neuseelänger haben im Rahmen von ihren Hilfsprogrammen
Straßen, Schulen und Krankenhäuser gebaut. Es gibt ein flächendeckendes
WLAN mit günstiger Internetverbindung. In großen Workshops stehen
chinesische Baumaschinen aller Art (auch ein Hilfsprogram) und so hat
jeder hat ein solides Dach über dem Kopf. Überall wo wir zu Besuch waren
gibt es eine Waschmaschine, Fernseher, Blu-Ray-Player, Laptop und vor
allem Unmengen absurd riesiger Eisschränke.

Diese werden benötigt, da die Familien den Großteil ihres Fischfangs
einfrieren und wenn das Versorgungsboot kommt (ca. drei Mal im Jahr),
schickt jeder eine große Gefriertruhe mit Fisch an die Verwandten in der
Hauptstadt. Im Gegenzug schicken diese eine Truhe mit importierten
Lebensmitteln zurück - hauptsächlich Eiskrem, gefrorenes Huhn und Corned
Beef. Das klingt recht vernünftig, bis man dann erfährt, dass der Hin-
und Rücktransport einer Kühltruhe $800 kostet!

Dazu kommt, dass fast jeder auf der Insel raucht - Frauen wie Männer.
Die Cookinseln gehören zu Neuseeland und es werden die gleichen Preise
für Tabak aufgerufen. Eine Schachtel mit 20 Zigaretten kostet also
schlappe 25 Dollar. Ein Päckchen Tabak mit 40 Gramm für Selbstgedrehte
schlägt mit 80 Dollar zu! Woher nehmen die Insulaner all das Geld?!

Neben dem Fisch, der nicht verkauft sondern eingetauscht wird,
exportieren die Insulaner nur spezielle handgefertigte Hüte, die für
Frauen in der Kirche überall auf den Cookinseln obligatorisch und
deswegen sehr begehrt sind. Aber so ein Hut bringt nur etwa 200 Dollar
und es werden nicht annähernd genug Hüte hergestellt, um den "Reichtum"
von Penrhyn zu erklären.

Wir haben fast jeden gefragt, wie die Insulaner ihren nahezu
paradiesischen Lebensstandard finanzieren, der weit über dem Standard
der anderen Länder in der Südsee liegt. Jeder hat darauf eine andere
Antwort, aber keine davon ist schlüssig. Angeblich, wie uns von den
Meisten versichert wurde, ist es nicht so wie in Fiji, Tonga, Samoa und
Vanuatu, wo die ausgewanderten Verwandten die Daheimgebliebenen
unterstützen. Aber wenn das stimmt, dann muss der Staat sehr gut an den
illegalen Schwarzgeldern der örtlichen Offshorefirmen mitverdienen,
damit sie sich Sozialhilfe in diesem Umfang leisten können.

Auch wenn wir das Rätsel des Reichtums im Paradies nicht lösen konnten,
haben wir den restlichen Aufenthalt in Penrhyn sehr genossen, als wir
schließlich gelernt haben um welche Bewohner wir in Zukunft einen großen
Bogen machen müssen. Von den anderen, den netten Insulanern haben wir
sehr viel gelernt und mit Ihnen gemeinsam viel gelacht. Letztlich haben
wir nie einen VERweis vom Sheriff bekommen und waren unseres Wissens
nach nie in ernster Gefahr des Atolls verwiesen zu werden.

Das Schnorcheln in der Nähe des östlichen Passes ist echte Weltklasse -
wir waren insgesamt fünf Mal dort, obwohl der Weg mit dem Dinghy sehr
weit ist. Im Pass selbst ziehen fast immer große Mantarochen ihre
Runden, aber man muss dort wegen der starken Strömung und den grauen
Riffhaien ein wenig aufpassen.

Wer gerne Fisch fängt und isst wird hier auf jeden Fall glücklich.
Direkt in der Nähe des Ankerplatzes sind ausgezeichnete Fischgründe und
da das Atoll völlig frei von Ciguatera ist, kann man alle Fische essen.
Endlich gab es bei uns an Bord mal wieder Snapper und Grouper und andere
leckere Fischarten, die man nirgendwo sonst in der Südsee sicher
verspeisen kann.

Was wir gelernt haben?! Dass Penrhyn zwar weit ab vom Rest der Welt ist,
aber alles andere als Zurückgeblieben. Dass man niemals einen Ort nach
dem ersten Eindruck beurteilen sollte. Und vor Allem, dass man offen
gerade auf diejenigen Menschen zugehen sollte, die zunächst verschlossen
wirken, denn unter denen wird man die wirklichen Wertvollen finden.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Auf Hawaii

Heute mittag um kurz nach 13:00 Uhr Ortszeit sind wir in Hilo auf der großen Insel Hawaii eingelaufen.
Wir haben bereits die Zoll- und Hafenformalitäten erledigt und genießen nun ein paar Glas Bier und Wein zum Abendessen an Bord, bevor wir uns zur wohlverdienten Nachtruhe begeben.
Ach ja: Es schüttet hier gerade aus Eimern und es ist auch recht frisch. Auf dem Vulkan sind heute 50cm Schnee gefallen!

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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Wir sind unterwegs nach Hawaii

Seit gestern Mittag Ortszeit sind wir auf dem Weg nach Hawaii.
Positionsmeldungen gibt es täglich auf dem englischen Blog und graphisch auf der Website unter "Wo ist Alita"

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Samstag, 9. Dezember 2017

Überquerung des Äquators

Für alle, die noch nie den Äquator aus der Nähe gesehen haben: Hier ein Bild von Micha, wie sie einen Schluck Rum auf ihre zweite Überquerung nimmt, stilecht direkt aus der Flasche natürlich!


Im Hintergrund kann man deutlich die Linie sehen ;-)

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Angekommen auf Christmas Island

Um 09:00 Uhr morgens Ortszeit haben wir den Anker vor Christmas Island geworfen. Wir warten noch auf das Einklarieren, sind aber schon in Kontakt mit den Behörden und es wird wohl heute passieren. Wir sind gespannt.

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Mittwoch, 6. Dezember 2017

Am Äquator

Es ist soweit. Wir sind wieder im Norden und alles ist anders. Die Sonne dreht sich im Uhrzeigersinn um uns, der Mond liegt anders und auch die bösen Tiefdruckgebiete rotieren verkehrt.
Am 06.12. 12:41 Uhr Ortszeit (062237UTC) waren wir am Äquator auf der Länge von 157° 11,4'W. Kurs 349° Geschwindigkeit 6,5 Knoten
Alles gut an Bord, aber wir freuen uns trotzdem, dass wir - wenn alles normal läuft - morgen früh auf Christmas Island ankommen werden.

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Dienstag, 5. Dezember 2017

Wir n=?ISO-8859-1?Q?=E4hern uns dem =C4?=quator

Nach über fünf Jahren auf der Südhalbkugel nähert sich Alita wieder der oberen Hälfte der Erde - wir werden ihn wohl morgen überqueren.
Ansonsten geht es weiterhin gut voran, der Wind hält sich nun einigermassen an die Vorhersage. Alles gut an Bord.
Am 05.12. um 07:50 Ortszeit (051750UTC) sind wir in Position 02°51,2'S 156°41,3'W Kurs 355° Geschwindigkeit 6,2kn

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Montag, 4. Dezember 2017

Kommen gut voran

Trotz hartem Amwindkurs und recht böigem Wind kommen wir gut voran. Alles gut an Bord.
Am 04.12. um 09:14 Ortszeit (041914UTC) sind wir an Position 05°02,4'S 157°03,2'W Kurs 027° Gschwindigkeit 6,2kn

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Wieder unterwegs

Gestern mittag haben wir Penrhyn verlassen. es war sehr schön dort, aber wie immer - wir müssen weiter. Diesmal ist es der Flug unseres Mitseglers, der die Deadline bestimmt.
Also sind wir nun auf dem Weg nach Christmas Island, welches etwa 1000 Kilometer nördlich, etwas überhalb des Äquators liegt.
Nach eineinhalb TAgen auf SEe haben wir uns wieder im SEgelmodus eingegroovt. Alles is gut an Bord. Die See ist überraschend kabelig aber nicht extrem.
Am 03.12. umd 15:26 Ortszeit (04.12. 01:26 UTC) sind wir 06°48.16'S 157°37.24'W Kurs 020° Gechwindigleit 5,4kn

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Samstag, 11. November 2017

Nachtrag: Die letzten Monate im Schnelldurchlauf

Ich war ein lange Weile nicht in Blogbuchlaune und letztlich hatte ich auch nicht wirklich viel zu sagen. Die Monate in Tonga waren, von den letzten Wochen abgesehen, sonnig, freundlich und erfreulich ereignislos - also ein voller Erfolg.

Unsere Tage waren im Wesentlich durch die Buckelwale bestimmt, der Hauptgrund warum wir zum dritten Mal Tonga besucht haben. Es ist nahezu Vollbeschäftigung, wenn man Wale beobachten will ohne sie zu stören. Um sie legal bewundern zu können, muss man an Plätzen sein, wo die Wetterbedingungen das Ankern erlauben und die Wale von sich aus zu Besuch kommen. Dazu muss man viel umziehen und weite Strecken segeln.

Sich den Tieren aktiv zu nähern oder ihnen gar hinterher zu fahren, ist nicht nur in Tonga sondern weltweit aus gutem Grund verboten. Boote, Motoren und generell menschliche Nähe stören die Wale bei den wichtigen Tätigkeiten, die sie bei ihrem jährlichen Ausflug in die Tropen vollbringen: nämlich Kinder zeugen, Kinder gebären und diese mit Muttermilch druckbetanken, so dass die kleinen Riesen innerhalb weniger Wochen deutlich wachsen und groß und stark genug werden, die lange Rückreise in die antarktischen Gewässer anzutreten.

Tonga ist eines der wenigen Länder, welches Schwimmen mit Walen erlaubt - aber nur unter Aufsicht von lizensierten Führern, in speziell dafür lizensierten Ausflugsbooten. Vordergründig dient das dem Schutz der Wale, damit die strengen Walschutzregeln von den Touristen eingehalten
werden.

In der Praxis sind die Wale aber Haupteinnahmequelle für die tonganischen Touristenbetriebe und es werden viel zu viele Lizenzen ausgegeben. Die Konkurrenz ist also groß, die Kosten für Genehmigungen und Boote teuer und die Saison kurz. Die Betreiber haben nur zwei Monate, um die Investitionen zu amortisieren und ausreichend Gewinne zu machen, um den Rest des Jahres zu überleben.

All diese Umstände führen zu einem völlig absurden, täglichen Schauspiel - speziell in der nördlichen  Inselgruppe Vava'u, wo die meisten Hotels sind. Jeden Tag düst dort eine ganze Horde von vollbesetzten Walbeobachtungsbooten durch das Atoll auf der Suche nach dem kooperativen Wal, der nicht sofort abtaucht, wenn man sich nähert.

Ist ein solcher Wal gefunden, dann dürfen sich - laut tonganischem Gesetz - maximal vier Touristen bis auf höchstens fünf Meter schwimmend nähern. Da die Boote mit acht Gästen besetzt sind, schnorcheln zwei Gruppen für jeweils eine halbe Stunde mit dem Wal, denn jedes einzelne
Boote darf nicht länger als eine Stunde den Wal belästigen, damit dieser anschließend seine Ruhe hat. Soweit zur Theorie und den gutgemeinten Gesetzen.

Tatsächlich ist es so, dass innerhalb der ersten Stunde mit ersten Boot mindestens ein weiteres Boot dazukommt und dann direkt im Anschluss seine Schwimmer für eine zweite erste Stunde schickt und dann das Nächste und das Nächste. Oft ist es so, dass ein Schwarm von Booten eine Gruppe Wale mit Vollgas verfolgt und praktisch ständig Schwimmer im Wasser sind, die versuchen mit dem Wal auf Tuchfühlung zu gehen.

Das ist das höchster Stress für alle Beteiligten: Nicht nur für den Wal, sondern auch für den Ausflugsbetreiber und sogar für die Touristen, die meist mit total überzogenen Erwartungen an die Sache heran gehen, schon allein weil sie mit allem Drum und Dran mehrere tausend Euro für diesen
einen Moment bezahlt haben. Wenn der kontaktfreudige Wal angesichts dieses Andrangs schließlich doch die Schnauze gestrichen voll hat, abtaucht und das Weite sucht, dann fühlt sich ganz sicher irgendjemand um seine einmalige, teuer bezahlte, persönliche Chance betrogen.

In einem solchen Fall braucht man schnell einen Schuldigen. Eventuell hat sich einer der anderen Schwimmer nicht an die fünf Meter Mindestabstand gehalten, oder vielleicht hat ein anderes Ausflugsboot seine Motoren zu laut laufen lassen... aber am Besten schiebt man die Schuld auf einen Außenstehenden, der sich nicht wehren kann. Wie zum Beispiel den Segler da drüben, da am Horizont, der gerade ein Ausweichmanöver fährt um ja nicht in die Nähe des aufgeregten Hornissenschwarms an Walbeobachtungsbooten zu kommen. Ganz sicher war er es, der den Wal verscheucht hat, weil seine Segel einmal kurz im Wind geschlagen haben.

Klingt übertrieben, ist aber gar nicht so unwahrscheinlich. Tatsache ist: Die Segler, die im Rest des Jahres gern gesehene, devisenbringende Gäste in Tonga sind, stehen in der Walsaison unter Generalverdacht. Man tut gut daran, möglichst den Ankerplatz erst abends zu verlassen, wenn
die Whalewatcher schon Feierabend haben, damit Konfliktpotential gar nicht erst entstehen kann. Denn jeder Segler, der auch nur im weiteren Umfeld eines Wales gesehen wird, bekommt mächtig Ärger im Namen des Gesetzes und des Tierschutzes. Dass die gesetzlich lizensierten Ausflugsboote, die wir "Walquäler" getauft haben, tagtäglich viel mehr Schaden in Tier- und Umwelt anrichten, als die wenigen Segler, die oft gar nichts dafür können, dass ein Wal in ihrer Nähe auftaucht, ist in dieser überhitzten Atmosphäre völlig unerheblich.

Für Segler ist es am Besten wenn sie in der Walsaison Vava'u gänzlich meiden und sich stattdessen in den Ha'apais, der mittleren Inselgruppe Tongas aufhalten. Dort gibt es weniger Hotels, weniger Touristen und viel, viel  mehr Wale. Sowohl Mensch als auch Tier sind dort tiefenentspannt und freundlich... und alles könnte gut sein, wäre nicht die tonganische Regierung im Allgemeinen und ein extrem merkwürdiger Chef der Zollbehörde im Speziellen. Damit sind wir nun - nach einem
langen erklärenden Bogen - dort angekommen, wo ich in der Einleitung ankündigte, dass unsere Zeit in Tonga ein voller Erfolg war, wenn man vom Ende absieht.

Nach dreizehn erfolgreichen Wochen in Tonga, in denen wir viele schöne und legale Berührungen mit Walen fernab der aggressiven Horden hatten, war es an der Zeit die bei der Einreise zunächst auf vier Monate zeitlich beschränkte Importerlaubnis unserer Yacht zu verlängern und somit in drei Wochen abgelaufen wäre.

Also begaben wir uns nach Pangai, den Verwaltungssitz der Ha'apai Inselgruppe und füllten dort den mehrseitigen Antrag aus, in der Meinung es handle sich um eine Formalität. Man kann sich unsere Überraschung vorstellen, als zwei Tage später ein Fax vom CEO der Zöllbehörde aus der Hauptstadt Nuku'alofa kam, in dem er nicht nur unseren Antrag ablehnte, sondern uns darüber hinaus aufforderte das Land innerhalb der nächsten zwei Wochen zu verlassen - also eine Woche früher, als die ursprünglichen vier Monate!

Das war in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe - nicht nur für uns, sondern besonders auch für unsere Freunde, die schon vor Monaten Flüge gebucht hatten, um genau an dem Tag anzureisen, an dem uns der tonganische Zoll loswerden wollte. Alle möglichen Alternativen die Hin- bzw. Rückflug zu verschieben bzw. in ein anderes Land zu verlegen, scheiterten an unseren beschränkten Ausweichmöglichkeiten und den unflexiblen Flugtickets. So gab es letztlich nur zwei Möglichkeiten:
Entweder es gelang uns die Behörden umzustimmen oder unsere Gäste hätten ihre teuren Tickets in den Wind schreiben und den Urlaub auf Balkonien verbringen müssen.

Aber auch für unseren weiteren Reisepläne war diese Ausweisung eine echte Katastrophe, denn wir wollten ja von Tonga erst nach Niue und dann Richtung Hawaii weiter segeln, also gegen die vorherrschende Windrichtung. Einerseits gibt es nur alle paar Wochen ein günstiges Wetterfenster für jede dieser Teilstrecken - also unwahrscheinlich, dass das mit den Terminen des Zolls zusammen fällt. Anderseits werden die allgemeinen Wetterbedingungen, Windrichtung und Windstärke, erst gegen Ende des Jahres günstig für uns. Außerdem gab es auf unserer Route erst in 1000 Meilen Entfernung einen Ankerplatz, der auch bei längeren Aufenthalten als sicher gilt.

Je länger wir also in Tonga ausharren können, desto besser für uns. Früher aufzubrechen würde im besten Fall eine sehr anstrengende und lange Passage bedeuten - im schlimmsten Fall müssten wir nach Samoa im Norden ausweichen, doch dann wären die Bedingungen noch schlechter für
uns  und es wäre es äußerst unwahrscheinlich, dass wir es je nach Hawaii schaffen.

Also was tun? Zunächst versuchten wir herauszufinden, warum unser Antrag überhaupt abgelehnt wurde - denn zu diesem Zeitpunkt gingen wir davon aus, dass diese Entscheidung gegen uns persönlich gerichtet ist. Obwohl wir uns keiner Schuld bewusst waren, hatten wir schon von anderen
Seglern gehört, die wegen Vergehen gegen die Walschutzgesetze des Landes verwiesen wurden. Ja, auch uns ist es ein paar Mal passiert, dass ein Wal direkt neben uns auftauchte, als wir gerade unter Segel fuhren. Hat uns vielleicht jemand angeschwärzt?

Von den Behörden erhielten wir trotz Nachfrage keine Auskünfte. Deswegen wandten wir uns an Darren, den freundlichen Eigentümer vom Sandy Beach  Resort, dem schönsten Hotel in der Ha'apai Inselgruppe, in der Hoffnung, dass er sich besser mit den örtlichen Behörden auskennt - und vielleicht jemanden kennt, der jemanden kennt, der uns helfen kann.

Das Gespräch mit Darren war sehr aufschlussreich. Einerseits war er sich sicher, dass wir ganz von niemand angezeigt worden waren, denn in diesem Fall hätte man uns das detailliert mitgeteilt. Außerdem wusste er von anderen Seglern mit dem gleichen Problem. Alles deutet darauf hin, dass
es sich um ein generelles Problem mit der Verlängerung der Zollerlaubnis handelte. Ein Bekannter von Darren, ein tonganischer Kongressabgeordneter, bestätigte den Verdacht: Der amtierende CEO der Zollbehörde ist dafür bekannt, dass er Ausländern im Allgemeinen und Seglern im Speziellen unfreundlich gegenüber steht - besonders Segler, die viel Zeit in den entlegenen Ha'apais verbringen, denn die haben in seinen Augen sicher etwas zu verbergen!

Also sind wir wieder beim alten Problem rund um die Wale, denn der Zoll stellt auch die Lizenzen für die Walboote aus. Alle Beschwerden der lizensierten Walquäler über die bösen Segler laufen also auch auf dem Schreibtisch unseres CEO auf und schon haben wir die Schuldigen!

Nun war die Sache also klarer, aber trotzdem ziemlich hoffnungslos. Mit einem geschickt formulierten, extrem freundlichen Brief an den CEO, in dem wir frecher Weise aus dem zweiwöchigen Ultimatum eine Verlängerung über den ursprünglichen Ablauftermin hinaus machten, gelang es uns tatsächlich ein paar Wochen zu gewinnen, so dass zumindest der Großteil
der Reise unserer Freunde gerettet war. Eine weitere Verlängerung wurde uns aber trotz unserer triftigen Gründe verweigert.

Zu unserem Glück weitete sich in diesen vier Wochen die Affäre rund um den CEO immer weiter aus. Inzwischen hatten noch weitere Segler, auch in Vava'u eine Absage vom CEO bekommen und die Kunde vom unfreundlichen Tonga verbreitet sich in Windeseile auf diversen Seglerforen im
Internet. Kurz darauf gingen erste Berichte über Segler ein, die ihre Pläne änderten und an Tonga vorbei direkt nach Fidschi fuhren.

Das brachte den Verband der Geschäftsleute in Neiafu auf den Plan, deren Hauptkundschaft im Wesentlichen durchreisende Segler sind. Innerhalb kürzester Zeit lag der tonganischen Regierung eine Petition mit tausend Unterschriften vor, mit der Bitte den geschäftsschädigenden Praktiken
des Zoll-CEOs umgehend entgegen zu wirken.

Als unser Ultimatum schließlich auslief, war der CEO bereits von seinem Amt zurückgetreten - was aber nicht bedeutete, dass wir nun eineVerlängerung bekamen. Allerdings wurden wir auch nicht des Landes verwiesen, denn wir hatten ja einen weiteren Antrag auf Verlängerung gestellt und solange dieser nicht offiziell abgelehnt wurde, durften wir bleiben.

Inoffiziell gab man uns zu verstehen, dass der Antrag einfach ignoriert werden würde, denn aufgrund des Respekts gegenüber dem alten CEO durfte der neue CEO unserem Antrag nicht stattgeben. Aufgrund der Order von oben, durfte er ihn aber auch nicht ablehnen. Ich liebe Politik!!

Trotzdem mussten wir die Scharade weiter mitspielen, regelmäßig persönlich beim Zoll vorsprechen und nachfragen, ob es denn eine Statusänderung unseres Antrages gegeben hat, die es nie geben wird. So lagen wir fast zwei Wochen im inneren Hafen von Neiafu fest, wo die Hitze steht. In dieser Zeit wurde ich gründlich krank: hohes Fieber fast eine Woche lang und dazu einen komischen trockenen Husten, den ich bis heute (vier Wochen später) noch nicht ganz losgeworden bin.

Zum Glück wurde ich gerade rechtzeitig gesund genug um weiterzufahren. Der Wettergott bescherte
uns eine perfekte Wetteranomalie und drei Tage lang leichten Südwind - perfekt für uns! So gelangten wir fast ausschließlich unter Segel nach Niue, was ich nicht in meinen kühnsten Träumen gewagt hätte zu hoffen.

Dort kamen wir allerdings am ersten Tag der Feierlichkeiten zum "Constitution Day" an, die sich über fünf Tage ziehen und währenddessen hat natürlich alles geschlossen. Ein einzelner Beamter ließ sich erweichen uns am zweiten Tag einzuklarieren, so dass wir wenigstens das Boot verlassen durften. Aber in der selben Nacht mussten wir wegen Westwind unsere Mooring wieder verlassen, die in den auflandigen Bedingungen gefährlich wird. Wir segelten die ganze Nacht vor der Insel
auf und ab und konnten erst früh morgens wieder an die Boje und verschliefen einen weiteren Tag.

Insgesamt blieben wir fast eine Woche in Niue, was für dortige Verhältnisse ein extrem langer Besuch ist. Segler bleiben im Schnitt nicht viel länger als zwei Tage - wohl wegen der unsicheren und extrem schaukligen Ankerbucht. Durch die Feierlichkeiten und der dadurch bedingten Nichtverfügbarkeit von Leihautos, hatten wir letztlich nur drei Tage um die Schönheiten der Insel zu besichtigen, was ein wenig knapp war. Aber das Wetter bestimmt die Segelreise und als sich die
perfekten Bedingungen für unsere nächste Etappe auftaten, mussten wir zugreifen.

Wieder sollte uns das Wetter verwöhnen und uns vier Tage lang perfekten Wind bescheren um uns schnell und direkt nach Suwarrow zu bringen. Aber auf See gibt es immer einen Wermutstropfen, manchmal auch mehr.

Die erste Einschränkung zur perfekten Passage war der Totalausfall des Wassermachers, der noch am Tag vor unserer Abfahrt aus Niue mehrere Stunden gelaufen war. Als ich ihn auf See am nächsten Tag anwerfen wollte, explodierte zunächst eines der beiden Wasserfiltergehäuse. Als ich dieses deinstalliert hatte, um das Gerät mit nur einem Filter zu betreiben, wurde klar, dass das Herzstück unseres Wassermachers blockiert, die Clarkpumpe. Ich habe zwar eine Ersatzpumpe an Bord und
baute diese auch gleich ein, aber die produzierte einen anderen Fehler, und das Wasser floss ohne Widerstand hindurch ohne genug Druck aufzubauen. Nach vier Stunden Schrauberei bei Seegang
musste ich aufgeben und hoffen, dass ich den Wassermacher bei unserer Ankunft in Suwarrow wieder in Gang bekomme, denn ohne Wassermacher die Reise nach Penrhyn und Kiribati fortzusetzen, wäre unverantwortlich gewesen. An beiden Örtlichkeiten bekommt man nur sehr schwierig Trinkwasser.

Der zweite Wermutstropfen der Etappe passierte kurz vor der Ankunft auf Suwarrow und war einfach dem Umstand geschuldet, dass die Sonne unterging. Wir können dort bei Dunkelheit nicht einlaufen.  Also wieder eine Nacht vor einer Insel auf- und absegeln... diesmal unter erschwerten Bedingungen, denn es regnet fast die ganze Nacht und bläst teilweise mit über dreißig Knoten.

Wermutflasche drei kommt kurz vor Mitternacht ins Spiel, als alle übernächtigt in den Seilen hängen, in Form eines laut kreischenden Alarms, als ich den Motor anlassen will. Ich bin noch dabei den Schock zu verdauen und Alternativpläne ohne Motor zu schmieden, als unser Mitsegler Rolf mit Wermutdusche Nummer Vier und der frohen Kunde kommt, dass er die vordere Toilettenschüssel komplett aus ihrer Verankerung gerissen hat - natürlich mitten im großen Geschäft plus dampfenden Haufen, der sich nun gleichmäßig überall im Bad verteilt.

Unnütz zu sagen, dass der Aufenthalt im wunderschönen Suwarrow für mich wieder geprägt war vom Privileg des Langfahrtseglers, der sein Boot an den schönsten und entlegensten Plätzen der Welt reparieren darf. Die Toilette ist inzwischen mit viel Klebstoff und Klebeband notdürftig zusammen geschustert, so dass sie ihren Dienst tut, solange man bei der Benutzung darüber schwebt. Der Motorschaden war nur ein Kriechstrom im Bedienpanel im Cockpit, welcher mit Sonne und Kontaktspray leicht zu beheben war. Der Wassermacher hat mich insgesamt zwei Tage beschäftigt
und fast zur Verzweiflung gebracht. Ich hatte eigentlich schon den allerallerletzten Versuch aufgegeben und nur aus reiner Sturheit noch einen definitiv-ultimativ-allerletzten Anlauf gestartet, der dann zur Erlösung führte.

Die vorläufig letzte schwierige Segelstrecke, weil ebenfalls gegen den vorherrschenden Wind, war von Suwarrow nach Penrhyn. Auch diesmal war das Wetter nett zu uns bescherte uns einen schwachen Trog und leichten Nordwind, so dass wir in den ersten drei Tagen gut nach Ost vorwärts
kamen und anschließend mit der vorhergesagten Windänderung auf die üblichen Ostwinde, nach Nord abdrehen und direkt zur Einfahrt des Atolls segeln konnten.

Einer der Wermutstropfen auf dieser letzten Etappe war die Unzuverlässigkeit der Nordwinde in den ersten Tagen, was dazu führte dass wir insgesamt einen Tag motoren mussten und wertvolles Diesel
verbrauchten, das wir uns gern für die intertropische Konvergenzzone aufgehoben hätten, wo notorisch wenig Wind weht, dafür aber oft ungünstige Strömungen wirbeln.

Schlimmer war aber die Krankheit von Michaela, die sich ankündigte sobald wir Suwarrow verlassen hatten und am Tag darauf mit Fieber und kräftigem Husten voll zuschlug, so dass sie nur wenige ihrer Wachen gehen konnte und trotz Schmerzmittel und inzwischen zwei verschiedenen
Antibiotika bis heute nicht voll auskuriert ist - sich aber schon deutlich auf dem Weg der Besserung befindet.

So wie die Genesung voranschreitet, sollte sie in ein paar Tagen wieder auf dem Damm sein und da wir nun den anstrengenden und schlecht planbaren Teil unserer Passage nach Hawaii hinter uns haben, freuen wir uns auf hoffentlich weniger ereignisreiche Tage. Wir werden auf jeden Fall noch eine Weile hier relaxen, bevor es weiter geht.